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BACS-Halbjahresbericht 2026/I: Betrugsanrufe im Namen von Behörden um über 75 Prozent gesunken

Veröffentlicht: Lesezeit: 3 Min. Quellen: 2

Die kurze Antwort

Seit der Ausweitung der Kennzeichnungspflicht auf Mobilfunknummern fielen die Meldungen zu Fake-Behördenanrufen im Juli 2026 auf unter 100. Insgesamt gingen im ersten Halbjahr 27'128 freiwillige und 200 Pflichtmeldungen beim BACS ein.

Kurz gesagt: Die Kennzeichnungspflicht für Anrufe aus dem Ausland mit gefälschten Schweizer Nummern wirkt: Im Juli 2026 gingen beim Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) weniger als 100 Meldungen zu betrügerischen Anrufen im Namen von Behörden ein, nach regelmässig über 400 pro Monat im ersten Halbjahr. Laut dem Halbjahresbericht 2026/I bleibt der Meldeeingang mit 27’128 freiwilligen Meldungen und 200 Pflichtmeldungen dennoch hoch, und Betrug dominiert weiterhin.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fake-Behördenanrufe: Januar bis Juni 2026 regelmässig über 400 Meldungen pro Monat, im Juli 2026 unter 100, ein Rückgang um mehr als 75 Prozent
  • Kennzeichnungspflicht: erste Phase im Januar 2026 für Festnetznummern, Ausweitung auf Mobilfunknummern per 1. Juli 2026
  • Meldungen 1. Halbjahr 2026: 27’128 freiwillige Meldungen (1. Halbjahr 2025: 35’727) und 200 Pflichtmeldungen kritischer Infrastrukturen
  • Häufigste Phänomene: Betrug (10’759), Phishing (8’877), Spam (3’965)
  • Ransomware: 79 gemeldete und beobachtete Fälle, gleich viele wie im 2. Halbjahr 2025
  • Pflichtmeldungen nach Angriffsart: Hacking knapp 26 %, Diebstahl von Zugangsdaten 13.5 %, DDoS und Datenabflüsse je 12.7 %, Ransomware rund 8 %
  • Quelle: BACS-Halbjahresbericht 2026/I und Medienmitteilung vom 24. August 2026

Weniger Masse, mehr Raffinesse

Die freiwilligen Meldungen gingen gegenüber dem Vorjahreshalbjahr zurück. Bei «betrügerischen Drohanrufen im Namen von Behörden» weist der Bericht für das erste Halbjahr 3’817 Meldungen aus, 64 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Auch CEO-Betrug (258, −57 %) und Werbung für Online-Anlagebetrug (387, −89 %) nahmen ab.

Laut BACS werden die Angriffe aber gezielter, emotionaler und technisch raffinierter. Rund 39 Prozent des Meldeeingangs waren Betrugsversuche. Kriminelle setzen Künstliche Intelligenz systematisch ein, um personalisierte Inhalte zu erstellen; in einem CEO-Betrugsfall wurde die Stimme eines Vorgesetzten imitiert. Phishing per Telefon ist inzwischen die meistgemeldete Phishing-Methode.

Unternehmen im Visier

Für Firmen nennt der Bericht vor allem:

  • mehr Meldungen zu übernommenen Microsoft-365-Konten, die für weiteres Phishing und Betrug genutzt werden, teils unter Umgehung der Multi-Faktor-Authentisierung
  • Angreifer, die sich als IT-Helpdesk oder Führungspersonen ausgeben, etwa über Microsoft Teams
  • gefälschte Sicherheitsupdates als Köder für Schadsoftware
  • mindestens 191 kompromittierte Schweizer WordPress-Websites, die Schadcode an Besucher ausliefern
  • gefälschte Traumjobs über LinkedIn, mit denen Kryptowerte von Opfern und Arbeitgebern gestohlen werden

Bei Ransomware zeigt sich eine Fragmentierung: Akira bleibt die am meisten dokumentierte Gruppe, ihr Anteil sank aber von rund 35 auf 19 Prozent; die Zahl aktiver Ransomware-Familien stieg von 21 auf 29. Das BACS geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Fälle höher liegt.

Was bedeutet das für Schweizer KMU?

  1. Rückrufregeln festlegen: Zahlungsaufträge und Zugriffsanfragen per Telefon oder Teams immer über eine bekannte Nummer verifizieren.
  2. Microsoft 365 härten: phishing-resistente Anmeldung, Überwachung neuer Weiterleitungsregeln und Schulung der Mitarbeitenden.
  3. Website aktuell halten: WordPress, Plugins und Firewalls zeitnah patchen.
  4. Notfall vorbereiten: Ablauf im Ratgeber Cyberangriff: Was tun?; Betreiberinnen kritischer Infrastrukturen müssen Angriffe innert 24 Stunden dem BACS melden, siehe Meldepflicht.
  5. Risiko absichern: Cyber-Risiko-Check machen und prüfen, ob eine Police Social-Engineering-Schäden einschliesst; mehr unter Cyberversicherung für KMU, Kosten und Vergleich.

Quellen

BTAG Versicherungsbroker AG · Bern

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