Operation Synergia III: Interpol zerschlägt Cybercrime-Netzwerk — Schweiz beteiligt
In einer globalen Polizeiaktion über 72 Länder wurden 94 Personen verhaftet und 45'000 bösartige IP-Adressen abgeschaltet. Die Schweiz war aktiv beteiligt.
Was ist passiert?
Interpol hat die Ergebnisse der Operation Synergia III veröffentlicht — einer der grössten internationalen Polizeiaktionen gegen Cyberkriminalität. Die Operation lief von Juli 2025 bis Januar 2026 und umfasste 72 Länder, darunter die Schweiz.
Die Ergebnisse sind beeindruckend:
- 94 Personen verhaftet
- 45’000 bösartige IP-Adressen abgeschaltet
- 212 Server beschlagnahmt
- 80 weitere Verdächtige identifiziert
Die Operation richtete sich gezielt gegen Phishing-Kampagnen, Malware-Verteilung, Ransomware-Gruppen und Romance Scams (Liebesbetrug).
Wer ist betroffen?
Die Operation betraf kriminelle Infrastruktur in 72 Ländern gleichzeitig. Besonders aktiv waren die Behörden in:
- Europa — Fokus auf Phishing- und Ransomware-Infrastruktur
- Asien — Zerschlagung von Betrugsnetzwerken
- Afrika — Abschaltung von Malware-Verteilungsservern
Die Schweizer Behörden waren aktiv an der Operation beteiligt. Die Schweiz ist sowohl Ziel von Cyberkriminellen als auch — aufgrund ihrer IT-Infrastruktur — gelegentlich unfreiwilliger Standort krimineller Server.
Warum ist das für die Schweiz relevant?
Die Schweiz ist mehrfach betroffen:
Als Ziel: Schweizer Unternehmen und Privatpersonen sind regelmässig Opfer von Phishing, Ransomware und Online-Betrug. Das BACS registrierte 2025 über 63’000 Meldungen — ein neuer Rekord.
Als Infrastruktur-Standort: Aufgrund der hohen Internetqualität und Rechenzentrumskapazitäten werden Schweizer Server gelegentlich von Cyberkriminellen missbraucht — wie jüngst ein Command-and-Control-Server in Zürich, der bei Angriffen auf über 600 Fortinet-Firewalls eingesetzt wurde.
Als Strafverfolger: Schweizer Behörden (fedpol, Kantonspolizeien) arbeiten aktiv mit Interpol und Europol zusammen, um grenzüberschreitende Cyberkriminalität zu bekämpfen.
Einordnung und Versicherungsbezug
Operation Synergia III zeigt: Strafverfolgung allein reicht nicht aus.
Trotz der beeindruckenden Zahlen — 94 Verhaftungen und 45’000 abgeschaltete IPs — ist die Cyberkriminalität ein Wachstumsmarkt. Für jede zerschlagene Gruppierung entstehen neue. Die Ransomware-Zahlungen weltweit werden für 2025 auf über 1 Milliarde USD geschätzt.
Was das für Unternehmen bedeutet:
- Prävention bleibt entscheidend — Strafverfolgung kommt immer erst nach dem Angriff
- Restrisiko lässt sich nicht eliminieren — selbst bei bester Sicherheit bleibt ein Risiko
- Cyberversicherung als Risikotransfer — was Prävention und Polizei nicht abdecken, fängt die Versicherung auf
Was eine Cyberversicherung konkret leistet:
- Sofortige Incident Response — 24/7-Hotline mit IT-Forensikern und Juristen
- Lösegeldzahlungen — falls im Extremfall keine andere Option besteht (unter strengen Auflagen)
- Betriebsunterbrechung — Umsatzausfall während der Wiederherstellung
- Haftpflichtschutz — wenn Kundendaten betroffen sind
Lehren für Schweizer KMU
- Internationale Bedrohung, lokale Auswirkung — Cyberkriminelle operieren global, treffen aber lokale Unternehmen
- Meldepflicht nutzen — seit 2025 besteht für kritische Infrastrukturen eine Meldepflicht beim BACS; auch freiwillige Meldungen helfen der Strafverfolgung
- Phishing bleibt Angriffsvektor Nr. 1 — Mitarbeiterschulungen sind die effektivste Gegenmassnahme
- Kein Unternehmen ist zu klein — auch KMU mit 10 Mitarbeitenden werden gezielt angegriffen
- Cyberversicherung prüfen — die Polizei schützt, die Versicherung entschädigt