Swisscom schlägt Alarm
Der jährliche Cybersecurity Threat Radar von Swisscom, veröffentlicht am 27. April 2026, zeichnet ein düsteres Bild: Die Bedrohungslage hat sich gegenüber 2025 deutlich verschärft. Vier strategische Risikofelder stehen im Zentrum des Berichts — und sie betreffen Schweizer Unternehmen jeder Grösse.
Die vier grössten Bedrohungen
1. KI als Risikomultiplikator
Künstliche Intelligenz verstärkt bestehende Cyberbedrohungen erheblich. Angreifer nutzen KI für präzisere Phishing-Attacken, automatisiertes Scanning von Schwachstellen und die Erstellung täuschend echter Deepfakes. Gleichzeitig entsteht mit «Shadow AI» — der unkontrollierten Nutzung von KI-Tools durch Mitarbeitende — ein neues internes Risiko. Wenn ein Partnerunternehmen unkontrolliert KI einsetzt, kann das die gesamte Lieferkette gefährden.
2. Supply-Chain-Angriffe
Software-Lieferketten bleiben ein bevorzugtes Angriffsziel. Ein einziges kompromittiertes Element oder ein manipuliertes Update kann weitreichende Folgen haben. Der Bericht betont, dass Unternehmen die Herkunft, Integrität und Nachverfolgbarkeit ihrer gesamten Lieferkette sicherstellen müssen.
3. Geopolitisch motivierte Cyberangriffe
Geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Interessenkonflikte treiben staatlich motivierte Cyberattacken an. Cyberangriffe, Desinformation und politische Einflussnahme seien zunehmend miteinander verwoben, warnt der Bericht. Diese verdeckten Aktivitäten können Unternehmen, kritische Infrastrukturen und ganze Wirtschaftsstandorte destabilisieren.
4. OT-Sicherheit wird kritisch
Vernetzte Produktionsanlagen, Energienetze und Gebäudeautomationssysteme geraten zunehmend ins Visier. Die Konvergenz von IT und OT (Operational Technology) erhöht die Komplexität — Vorfälle können nicht nur finanzielle Verluste verursachen, sondern auch physische Konsequenzen haben.
Digitale Souveränität unter Druck
Der Threat Radar hebt zudem die wachsende Abhängigkeit von externen Cloud-Anbietern als strategisches Risiko hervor. Unternehmen müssten genau verstehen, wo ihre Daten verarbeitet werden, welchen regulatorischen Vorgaben ihre Anbieter unterliegen und wie gross die Plattformabhängigkeit ist. Digitale Souveränität sei nicht nur eine Frage der Compliance, sondern der operativen Handlungsfähigkeit.
Einordnung und Versicherungsbezug
Der Swisscom-Bericht bestätigt, was Schweizer Sicherheitsexperten seit Monaten beobachten: Die Angriffsfläche wächst schneller als die Abwehrfähigkeiten vieler Unternehmen. Besonders KMU, die in komplexe Lieferketten eingebunden sind oder KI-Tools einsetzen, müssen ihr Risikoprofil neu bewerten.
Eine Cyberversicherung kann Teil des Risikomanagements sein, ersetzt aber weder Lieferantenkontrollen noch technische und organisatorische Schutzmassnahmen. Ob Folgen eines Lieferkettenvorfalls, einer KI-Nutzung oder eines geopolitisch motivierten Angriffs versichert sind, muss anhand von Auslöser, Ausschlüssen, Sublimiten und Sicherheitsanforderungen im konkreten Vertrag geprüft werden.